Ortsgemeinde Niederhosenbach

Im Hunsrück - Land der Hildegard

Hildegard von Bingen

Pilgern auf dem Hildegardweg

von Annette Esser

Scivias – Wisse die Wege: So lautet der Titel, den Hildegard von Bingen (1098-1179) ihrem ersten Werk gegeben hat, das sie in ihrer Zeit berühmt gemacht hat. – „Wisse die Wege!“ - so könnte auch die Aufforderung an Pilgerwanderer lauten, die sich nun auf den neuen Hildegard von Bingen-Pilgerwanderweg begeben möchten, der am 9. September 2017 am Disibodenberg eröffnet wurde. 

Faksimile-Ausgabe des Liber Scivias in der Evang. Kirche von Niederhosenbach;
gestiftet von Pfr.i.R. Wilhelm Gervers

Dieser Weg führt seitdem in 10 Etappen über ca. 140km von der Felsenkirche in Idar-Oberstein zur Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen. Niederhosenbach - nach neuerer Forschung der wahrscheinliche Geburtsort Hildegards - liegt auf der zweiten Etappe, die von Herrstein nach Kirn führt.

Karte des Hildegard von Bingen Pilgerwanderweges aus dem Pilgerpass

Felsenkirche Idar-Oberstein

Abtei St. Hildegard Eibingen (Fotos: AE)

Was heißt Pilgern? In jedem Fall bedeutet es sich im spirituellen Sinne ganz auf den Weg zu machen. Nach altem Verständnis heißt dies, zu Fuß oder auch zu Pferd zum Grab eines Heiligen zu reisen, um sich in seiner/ihrer Nähe im Gebet auf das eigene Leben zu besinnen.
…. Nach neuerem Verständnis ist der Weg selbst das Ziel, und jede Etappe lädt zur Besinnung und Meditation ein. Für alle, die nicht mehr zu Fuß lange Stücke wandern können, kann pilgern dann auch bedeuten, sich nur auf kürzere Wegstrecken zu begeben, evt. auch mit dem Fahrrad oder dem Rollstuhl. - Der neue Hildegardweg bietet nun beides: Es ist tatsächlich ein Weg zum Schrein der Heiligen Hildegard, welcher die Pilger in der Wallfahrtskirche in Eibingen erwartet. Und es ist ein Weg auf dem 59 Hildegardtafeln dazu einladen, sich mit dem Leben und Werk der neuen Kirchenlehrerin zu beschäftigen, die hier im „diesseitigen Gallien“, wie es in ihrer Vita heißt, gelebt hat, wir nennen dies heute das „Land der Hildegard“.

Für Pilger sind neben den 31 Info-Tafeln, die sich den Lebensorten und dem medizinischen und musikalischen Werk Hildegards befassen, insbesondere die 27 Meditationstafeln wichtig. Dabei folgen wir den 27 Visionen des Liber Scivias, Hildegards mystischen Hauptwerk, in der von ihr vorgegebenen Reihenfolge, d.h. von der Schöpfung, zur Inkarnation und zum Jüngsten Gericht. Dazu findet sich auf jeder Meditationstafeln eine Pilgerfrage.

Liber Scivias, „Die Seherin“

So steht auf der ersten Tafel an der Felsenkirche unter der Vision „Die Seherin“ die Pilgerfrage:

Was weiß ich und was denke ich über Hildegard von Bingen (1098-1179)?                                                                          
Warum möchte ich auf dem Hildegardweg pilgern?                                                      

Die nächsten drei Meditationstafeln finden sich dann an der Schlosskirche in Herrstein („Der Leuchtende“), an der Evangelischen Kirche in Niederhosenbach („Schöpfung und Sündenfall“) und in Bergen („Das Weltall“).

Pfr. i.R. Paul Krachen vor der Hildegardstation in Bergen

Dr. Annette Esser vor der Tafel „Das Weltall“

Wer nun auf dem Hildegardweg, wie er kurz genannt wird, pilgern oder wandern möchte, kann dies auf einzelnen Abschnitten oder auch dem ganzen Weg allein oder auch mit Partner oder Freunden tun; dabei muss dann An- und Abfahrt und auch Unterkunft selbst organisiert werden, wobei die Naheland-Touristik um Unterstützung angefragt werden kann (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Es besteht auch die Möglichkeit in einer Gruppe mit einem zertifizierten Pilgerbegleiter zu gehen. Solche Pilgerwanderungen bietet das Scivias-Institut seit drei Jahren auf dem ganzen Hildegardweg an. Im Corona-Jahr 2020 werden die Wanderungen ab Juli wieder in Gruppen von bis zu 10 Menschen möglich sein. Bitte aktuell erkundigen, ob die Wanderung stattfindet (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

In jedem Fall können alle Pilgerwanderer mit Pilgerpass und auch mit Pilgerbuch wandern, welches sämtliche Texte der Tafeln, Pilgerfragen und auch zusätzliches Material enthält. Der Pilgerpass sowie auch Broschüren zum Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg sind in deutscher und englischer Sprache gegen eine Schutzgebühr bei der Naheland-Touristik erhältlich. Das Pilgerbuch kann über den Buchhandel bestellt werden (Annette Esser, Pilgerbuch. Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg, Verlag Matthias Ess, Bad Kreuznach 2019. ISBN 978-3.945676-35-6)

Als Initiatorin des Hildegardweges und als Autorin des Pilgerbuches biete ich nun zudem zum zweiten Mal zusammen mit Markus Becker, dem Leiter des Zentrum St. Hildegard / KEB Rhein-Hunsrück-Nahe, einen Lehrgang für Pilgerbegleiter auf dem Hildegardweg an. Aufgrund von Corona hat sich der Lehrgang auf den Herbst und das nächste Jahr 2021 verschoben. Das bietet die Chance, dass sich noch weitere Interessenten dazu anmelden können (Infos und Anmeldung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Wer in spiritueller Hinsicht Kontakt zum Pilgerteam und zu anderen Pilgerwanderern auf dem Hildegardweg bekommen möchte, der ist zu den Pilgerstunden eingeladen. Bisher finden diese an jedem 1. Freitag im Monat um 18 Uhr in Kloster Sponheim statt. Es gibt ein Gebet in der Kirche und anschließend eine Einladung zum Gespräch bei einem Glas Wein u.a.. Wenn es sich gut entwickelt, dann können demnächst auch anderswo Pilgerstunden angeboten werden, z.B. auch in Niederhosenbach, Bergen, am Disibodenberg oder in Bingen.

All das, was sich nun im Land der Hildegard entwickelt, wird nicht nur von den Tourismus-Verantwortlichen und vom Pilgerteam des Scivias-Institut organisiert, sondern es entsteht auch durch das Engagement von Kirchen und Menschen vor Ort, - nicht zuletzt auch in Vorfreude auf viele Pilgerwanderer, die sich aus Deutschland, aus Europa und der ganzen Welt wahrscheinlich in den nächsten Jahren auf den Hildegardweg begeben werden, so wie es mir eine Pilgerin aus Leipzig geschrieben hat, die ich im Corona-Monat Mai „zufällig“ am Disibodenberg getroffen habe.

Vielen Dank für das tolle Buch. Es hat mich auf den Etappen, die ich mir selbst zusammengestellt habe und natürlich zu Hause auch noch gut begleitet. Auf jeden Fall werde ich mich nochmal auf den Weg machen.

Steffi P., Juni 2020

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